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Herzlich Willkommen!

Zum 1. August begann der Dienst von Pfr. Groß - der Festgottesdienst zur Einführung wird am 5.9. stattfinden.

Herr Friedemann Wenzel, herzlich willkommen in unserer Gemeinde, die ja nun auch die Ihre ist. Es ist Ihre zweite Pfarrstelle. Sie kommen aus Cunewalde zu uns. Was haben Sie mit einem weinenden Auge zurückgelassen und worauf schauen sie mit einem lachenden Auge, wo spüren sie, wie sie die Vorfreude packt?

Liebe Schwestern und Brüder in Gruna-Seidnitz und im Dresdner Osten!

Ich war 6 Jahre Pfarrer in Cunewalde. Als Naturbursche und Bergfan habe ich es sehr geliebt, inmitten des Lausitzer Berglandes zu leben und die Natur vor der Haustür zu haben. Ich habe in den 6 Jahren so viele Menschen kennen und lieben gelernt. Mir ist so viel Wohlwollen und Interesse entgegengekommen. Wir sind gemeinsam im Glauben gewachsen, haben uns auseinander- und wieder zusammengesetzt. All diese Menschen zu verlassen fällt mir schwer. Es gab für mich keinen Grund, Cunewalde zu verlassen, dafür aber gute Gründe, nach Dresden zu kommen.

Damit wäre ich schon bei der Vorfreude. Als Sie, Christoph Arnold, mir neulich per Rad das neue Gemeindegebiet zeigten, habe ich ein abwechslungsreiches Dresden gesehen. Verschiedene Kirchen und Gemeindezentren, laute Straßen und lauschige Plätzchen, viele unterschiedliche Wohngegenden. Ich freue mich darauf, die Menschen kennenzulernen, die in diesen Häusern leben – und zwar Kirchenmitglieder, aber auch alle anderen. Ich freue mich auf die Elbe, die Dresdner Heide und das Elbsandsteingebirge und auf das Wohnen in dem idyllischen Altseidnitz. Doch auch wenn ich die Natur liebe und gern auf dem Land gewohnt habe – in meiner Brust schlägt auch ein Herz, das das Großstadtleben mit all seinen kulturellen und gesellschaftlichen Vorzügen liebt – ich bin in beiden Welten zu Hause. Jetzt ist eben wieder Großstadt dran.

 

Sie kommen nicht allein, oder?

Nun, ich komme zwar allein, aber bereits in Dresden wohnen meine beiden Töchter Mathilda (11) und Jolanda (8), die dann auch wochenweise bei mir wohnen werden. Ich freue mich schon sehr darauf, mit ihnen den Alltag zu teilen. Und ebenso freue ich mich darauf, mit meiner Lebensgefährtin Karla Rohde, die derzeit in Meißen wohnt und arbeitet, gemeinsam in die Zukunft zu starten. Und unsere Katze Milli (4) nicht zu vergessen! Bin gespannt, wie sie den Umzug meistert :-) Meine 4 Damen freuen sich übrigens auch schon alle auf den Neubeginn.

Wo wir schon bei Familienangelegenheiten sind: Ab dem 1. August werde ich wieder meinen vorehelichen Namen tragen und Friedemann Groß heißen.

 

Wie kommt ein jüngerer Mensch wie Sie in der heutigen Zeit dazu, Pfarrer zu werden? Was hat Sie gereizt und wo sehen Sie ihre Schwerpunkte im Pfarrberuf?

 

Interessant, dass Sie das Alter da mit einbeziehen. Kirche erweckt oft den Eindruck, als sei das nix für Jugendliche und junge Erwachsene. Und der Eindruck kommt ja nicht von ungefähr. Ich suche da selbst nach Antworten. Ich jedenfalls habe das zum einen quasi mit der Muttermilch aufgesaugt, denn meine beiden Großväter waren bzw. sind Pfarrer. Für mich entscheidend aber war die Jugendzeit. In der Schule hatte ich nicht viel Anschluss, da habe ich eher ein Schattendasein geführt. Mit der Konfirmation und der Jungen Gemeinde bin ich mit Menschen zusammen gekommen, für die ich wertvoll und wichtig war. Sie haben an mich geglaubt. Das hat mich verändert, mir Selbstvertrauen und Lebensfreude gebracht. Ich glaube, das war der Heilige Geist, der da gewirkt hat. Diese Erfahrung, bedingungslos angenommen und geachtet zu sein, wollte ich dann so vielen Menschen wie möglich weiter geben. Und das ist bis heute meine Motivation für meinen Dienst als Pfarrer.

 

Glauben heißt „wissen es tagt“. So erklingt es in einem wunderbaren Lied. Was bedeutet für Sie zu glauben? Und wie wollen Sie Glauben miteinander teilen?

Das Lied sagt mir im Moment gar nichts… aber ein schönes Bild! Noch ist es dunkel, aber eines ist sicher: der Morgen kommt… Das habe ich mal bei einer Wanderung allein durch die Westkarpaten in Rumänien erlebt. Es war März, ich habe draußen geschlafen, oder es zumindest versucht, denn ich hatte einen viel zu dünnen Schlafsack… Ich habe furchtbar gefroren. Aber ich wusste, der Tag kommt und die Sonne wird mich wieder wärmen. Insofern gibt der Glaube Kraft in dunkler Zeit. Der Glaube denkt vom Ziel her, und kann deswegen die Gegenwart überwinden.

Vielleicht kommt mir in diesem Bild aber die Gegenwart ein bisschen zu schlecht weg. Nicht alle Menschen erleben zu jeder Zeit die Nacht. Für mich ist auch der „Tag-Glaube“ wichtig. Mich bereits am Morgen über die Sonne, den Regen zu freuen. Das Leben zu genießen. In jedem Menschen ein geliebtes Geschöpf Gottes zu entdecken…

Wie will ich diesen Glauben teilen? Nun ja, als Pfarrer habe ich ja sonntäglich die Gelegenheit, von meinem Glauben zu erzählen. Noch spannender ist es für mich aber, in persönlichen Gesprächen – sei es in der vertraulichen Seelsorge oder in Gruppen – sich über die unterschiedlichen Glaubenserfahrungen auszutauschen. Da bin ich gespannt, welche Möglichkeiten der Begegnung es bereits gibt, und welche vielleicht noch entstehen können. Sicherlich werden wir auch ganz neue Wege gehen, um zu den Menschen zu finden, die bisher nicht mit Gottes Liebe in Berührung gekommen sind.

Wichtig ist mir am Glauben auch: es geht nicht nur darum, dass der Glaube mir, also dem Glaubenden hilft, sondern dass auch andere etwas von meinem Glauben haben. Mir fällt da auch eine Liedzeile ein, von Samuel Harfst: ...auch wenn Du sagst, „an Gott glaub' ich nicht“, sag'  ich dir: „Gott glaubt an Dich.“

 

Wir haben schon erfahren, dass Sie gerne musizieren. Wovon lassen Sie sich begeistern – auch außerhalb des Berufes?

Für alles, was mit Bewegung, Natur und frischer Luft zu tun hat: Radfahren, Joggen, Wandern. Neulich war ich das erste Mal mit Segeln. Herrlich! Ich begeistere mich für die Vielfalt der Menschheit. Das Reisen ist ja zur Zeit eher schwierig, aber ich schaue liebend gern Reportagen über andere Länder und ihre Menschen. Musik ergreift mich immer wieder, vor allem Live-Musik. Ich freue mich schon drauf, wenn es wieder Konzerte geben wird, wenn wieder gemeinsam getanzt werden darf. Da sind übrigens die unterschiedlichsten Musikstile dabei: Von Rockgrößen wie Genesis und Jethro Tull über Jazz und Folk, aber auch Elektro und House in Neustadt-Clubs bis hin zum Sinfoniekonzert mit Abendgarderobe im Kulturpalast. Ich selbst spiele Schlagzeug in einer Leipziger Funkband. Außerdem spiele ich leidenschaftlich Skat und neuerdings auch Doppelkopf. Ach, und lesen… in spannenden Büchern könnte ich verschwinden… Mein letztes Abenteuer war „Der Schwarm“ von Frank Schätzing.

Ich merke, ich bin recht begeisterungsfähig und könnte noch ewig weiter machen.

 

Welche konkreten Ziele haben Sie für das erste Jahr in der neuen Gemeinde?

Begegnung, Begegnung, Begegnung. Ich möchte so viele Menschen wie möglich kennenlernen. In der Gemeinde, aber auch in der außerkirchlichen Gesellschaft im Dresdner Osten. Klar habe ich selbst Schwerpunkte. Ich liebe Gottesdienste und das Predigen. Ich verstehe mich vor allem als Seelsorger. Außerdem ist mir das diakonische Wirken der Kirche in der Gesellschaft sehr wichtig. Aber was konkret davon dran sein wird, was Gott mit mir in den Gemeinden vor hat, wird sich zeigen und werden wir miteinander entwickeln. So gesehen habe ich keine konkreten Maßnahmen vor Augen.

 

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass auf die großen christlichen Kirchen in unserem Land finanzielle und damit personelle Einschränkungen zukommen. Will heißen: es wird größere Gemeinden geben, weniger Pfarrer:innen und Mitarbeiter:innen, mehr Arbeit. Haben Sie eine Idee, wie wir gegensteuern können?

 

Da sprechen Sie etwas Großes an. Wenn ich das wüsste… Gegensteuern und leichte Kurskorrekturen vornehmen ist das eine, das andere eine echte Wende einzuleiten. Ich glaube nicht, dass wir aus eigener Kraft den Wind drehen können. Das kann nur Gott. Wir erleben allerdings gerade, dass der Wind schwächer wird. Und bei Flaute lässt es sich gar nicht steuern…

Ich glaube, um es mit Prediger 3 zu sagen: alles hat seine Zeit. Jetzt ist irgendwie die Zeit des Schrumpfens. Das tut weh, weil Vieles von dem, was uns wichtig und vertraut ist, nicht mehr fortgeführt werden kann. Hier ist viel Trauerarbeit nötig. Ich habe den Eindruck, auf dem Land ist das schon deutlicher zu spüren. Ich bin gespannt, wie es in der der Stadt ist.

Jedenfalls kannte auch das Volk Gottes in der Bibel solche Zeiten, in denen nichts voran ging, und sie 40 Jahre in der Wüste orientierungslos umherwanderten. Aber auch solche Zeiten sind für etwas gut, z.B. Gottvertrauen lernen, mit Provisorien zu leben. Aber den Sinn erkennt man bekanntlich oft erst hinterher…

Ich glaube, die Kirche wird sich verändern. Diese Kirche, wie wir sie kennen, wird nicht ewig so bleiben. Aber Kirche bleibt. Christus bleibt, wo Menschen sich für ihn begeistern lassen. Insofern mache ich mir keine Sorgen.

Welchen konkreten Kurs schlage ich vor? Nun, jeder und jede muss schauen, was ihr am meisten liegt, und mit diesen Pfunden wuchern. Ich denke hier an das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Das bedeutet aber auch, dass man nicht mehr geben kann, als man gegeben bekommen hat. In dieser Gefahr sehe ich die kirchlichen Mitarbeitenden, haupt- wie ehrenamtliche. Hier brauchen wir viel Gnade, auch mit uns selbst.

Ich für meinen Teil möchte den Auftrag Jesu ganz ernst nehmen und lebe ihn auch: „Gehet hin, und machet zu Jüngern alle Völker.“ In der Kirche herrscht oft noch das Denken: was tun, damit die Leute (wieder) kommen? Ich möchte raus gehen, da wo die Menschen sind. Erfahren, was sie bewegt, wonach sie ggf. suchen und dann schauen, was sie brauchen können. Das Finanzielle und Personelle wird dem folgen. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes – alles andere wird sich ergeben!“

 

Stichwort Ökumene? Was macht diese für Sie wertvoll?

In meiner bisherigen Gemeinde wird Ökumene gelebt. Es bestehen viele persönliche Beziehungen zur adventistischen, neuapostolischen, römisch-katholischen und charismatischen Christen. Unsere Chöre haben gemeinsame Aufführungen. Von daher ist Ökumene für mich selbstverständlich.

Ich glaube, jede Konfession hat ihren wertvollen Zugang zu Christus, von dem wir lernen können. Katholisch: die Liebe zur Tradition und zum Sakrament. Charismatisch-freikirchlich: Die Gaben (des Heiligen Geistes) in der Gemeinde entdecken und einsetzen und die Orientierung an einer modernen Ästhetik (Band im Gottesdienst, Lichttechnik…). Wir als Evangelische halten das Wort Gottes hoch und sind institutionell breit aufgestellt und dadurch in so vielen gesellschaftlichen Bereichen vernetzt. Für mich ist Ökumene eine Bereicherung! Wir können so viel voneinander lernen!

Wir leben auf Hoffnung hin. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einer Staffelei mit Pinsel und Farben. Was zeigt das Hoffnungsbild, welches Sie für uns aufs Papier bringen?

Ich stelle mir eine Leinwand vor, vor der ganz viele Menschen stehen, die alle gemeinsam an dem selben Bild malen, und jeder trägt seinen Teil dazu bei. Da ist jemand, der den Bildaufbau plant. Da ist eine, die ein Händchen für Farben hat. Ein anderer kann besonders schön verzieren. Eine weitere weiß, wie man aus Fehlern (die es eigentlich bei der Malerei nicht gibt) kreativ umgehen kann… Solange zwei oder drei vor der Staffelei stehen, habe ich Hoffnung!

Danke und – schön , dass Sie da sind.

Die Fragen stellte Pfarrer Christoph Arnold

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